Das Wichtigste in Kürze
- Der Markt für KI-Dienstleister wächst schnell, die Qualitätsspanne ist enorm. Referenzen mit Zahlen schlagen Logos auf Folien
- Sieben Prüfkriterien, von Prozessverständnis über belegte Resultate, Datenschutz-Kompetenz, Betriebsmodell, Nein-Fähigkeit und transparente Kosten bis Mensch-im-Loop
- Die wichtigste Einzelfrage lautet, wer das System nach dem Go-live betreibt und was das kostet
- Ein seriöser Anbieter rät Ihnen bei manchen Prozessen aktiv von KI ab
Wer heute für sein Unternehmen einen KI-Partner sucht, findet ein unübersichtliches Feld, umetikettierte Webagenturen, Ein-Personen-Beratungen mit Foliensätzen, Konzernberatungen mit sechsstelligen Tagessatz-Paketen und dazwischen einige wenige, die tatsächlich Systeme entwickeln und betreiben. Die Studienlage zeigt, warum die Auswahl entscheidend ist. Rund ein Drittel der Schweizer Unternehmen misst den Wert seiner KI-Projekte gar nicht, und nur 16 Prozent schaffen den Sprung in den Regelbetrieb. Oft liegt das nicht an der Technologie, sondern am Partner.
Kriterium 1: Referenzen mit Zahlen, nicht mit Logos
Eine Logowand beweist nichts. Fragen Sie nach konkreten Projekten mit konkreten Resultaten. Welcher Prozess, welches Volumen, wie viel Zeit oder Geld gespart, über welchen Zeitraum gemessen? Wer echte Systeme betreibt, nennt Ihnen solche Zahlen ohne Zögern, inklusive der Dinge, die nicht funktioniert haben. Wer ausweicht, hat meist Workshops verkauft, keine Systeme.
Kriterium 2: Prozess vor Technologie
Ein belastbares Erstgespräch dreht sich um Ihre Abläufe. Wo entsteht Volumen, wo liegen Medienbrüche, welche Daten existieren in welcher Qualität? Misstrauen Sie Anbietern, die in den ersten dreissig Minuten ein bestimmtes Tool oder Modell verkaufen. Die Modellwahl ist der letzte Schritt einer sauberen Analyse, nicht der erste. Nicht jeder Prozess braucht überhaupt KI, manche sind mit einer einfachen Regel besser bedient.
Kriterium 3: Datenschutz und Regulierung als Handwerk
Ihr Partner muss das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz und den EU AI Act nicht nur buchstabieren, sondern in Architektur übersetzen können, also in Auftragsverarbeitungsverträge mit den Modellanbietern, Datenminimierung vor dem Prompt, Protokollierung der Verarbeitungsschritte und Transparenzpflichten gegenüber Nutzern. Stellen Sie die Testfrage, welche Daten das System an welchen Anbieter in welches Land übermittelt. Wer das nicht präzise beantworten kann, schafft Ihnen ein Compliance-Risiko.
Kriterium 4: Ein Betriebsmodell, nicht nur ein Projekt
Die häufigste Todesursache von KI-Projekten ist nicht der Fehlstart, sondern das verwaiste System nach der Übergabe. Modelle ändern sich, Schnittstellen brechen, Sonderfälle häufen sich. Fragen Sie deshalb explizit nach. Wer überwacht das System nach dem Go-live? Wie schnell wird auf Störungen reagiert? Was kostet der laufende Betrieb pro Monat? Ein Anbieter ohne Antwort auf diese drei Fragen verkauft Ihnen ein Projekt mit Verfallsdatum.
Kriterium 5 bis 7: Nein-Fähigkeit, Kostenklarheit, Mensch im Loop
- 1Nein-Fähigkeit heisst, ein seriöser Partner sagt Ihnen, welche Ihrer Ideen kein KI-Kandidat ist, und schlägt die günstigere Alternative vor. Wer jede Anfrage mit Ja beantwortet, optimiert sein eigenes Auftragsvolumen, nicht Ihren Nutzen.
- 2Für Kostenklarheit verlangen Sie eine Aufstellung über Einrichtung, laufende Modellkosten und Betrieb, plus eine ehrliche ROI-Rechnung mit Annahmen, die Sie nachvollziehen können. Eingesparte Stunden sind erst dann Franken, wenn sie produktiv umgewidmet werden.
- 3Mensch im Loop bedeutet, dass bei finanzwirksamen oder rechtlich relevanten Schritten ein Freigabeschritt eingeplant sein muss. Ein Anbieter, der Vollautomation ohne Kontrollpunkte verspricht, versteht entweder das Risiko nicht oder verschweigt es.
Die Checkliste für Ihr Erstgespräch
- Zeigen Sie mir ein vergleichbares Projekt mit Zahlen, also Ausgangslage, Resultat, Messzeitraum.
- Welche meiner Prozesse würden Sie nicht automatisieren und warum?
- Welche Daten verlassen mein Haus, an welche Anbieter, in welches Land, mit welchem Vertrag?
- Wer betreibt das System ab dem Go-live und was kostet das monatlich?
- Wo sitzt der Mensch im Prozess und wer haftet, wenn das System einen Fehler macht?
Wenn ein Anbieter diese fünf Fragen souverän, konkret und ohne Ausflüchte beantwortet, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Partner vor sich, der Systeme entwickelt und verantwortet, statt Folien zu liefern. Genau daran lassen wir uns bei ZAVION selbst messen.
Quellen
- ti&m / Hochschule Luzern: AI Maturity Study 2026, https://www.ti8m.com/en/insights/media/ai-maturity-study-2026
- cmm360: KI-Studie 2026: Potenzial trifft Skalierungslücken, https://www.cmm360.ch/artikel/ch-unternehmen-kommen-bei-ki-kaum-ueber-pilotprojekte-hinaus/
- EU Artificial Intelligence Act: Implementation Timeline, https://artificialintelligenceact.eu/implementation-timeline/
- EDÖB, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, https://www.edoeb.admin.ch/de
Fazit von Marcel

Diese sieben Kriterien haben wir nicht aufgeschrieben, um gut dazustehen, sondern weil wir uns selbst daran messen lassen. Die wichtigste Einzelfrage in jedem Erstgespräch bleibt für mich, wer das System nach dem Go-live betreibt und was das monatlich kostet. Ein Anbieter ohne Antwort darauf verkauft Ihnen ein Projekt mit Verfallsdatum. Und ja, ein seriöser Partner rät Ihnen bei manchen Prozessen aktiv von KI ab.
Marcel Kaschner · Founder & Managing Director, ZAVION
Häufige Fragen
Woran erkennt man eine seriöse KI-Agentur?
An sieben Kriterien, nämlich Referenzen mit konkreten Zahlen statt Logowänden, Prozessverständnis vor Toolverkauf, Datenschutz-Kompetenz als Handwerk, ein klares Betriebsmodell für die Zeit nach dem Go-live, die Fähigkeit, Nein zu sagen, transparente Kosten inklusive Betrieb und eingeplante Mensch-im-Loop-Freigaben bei kritischen Schritten.
Welche Fragen sollte man einer KI-Agentur im Erstgespräch stellen?
Fünf reichen. Zeigen Sie mir ein vergleichbares Projekt mit Zahlen. Welche meiner Prozesse würden Sie nicht automatisieren und warum? Welche Daten verlassen mein Haus, an welche Anbieter, in welches Land, mit welchem Vertrag? Wer betreibt das System ab Go-live und was kostet das? Wo sitzt der Mensch im Prozess und wer haftet bei Fehlern?
Was sind rote Flaggen bei KI-Dienstleistern?
Fünf typische sind ein Toolname vor der Prozessanalyse, garantierte Einsparprozente ohne Blick auf Ihre Daten, kein Wort zu Betrieb und Wartung, Referenzen ohne nennbare Zahlen und ein Angebot, das schon nach dem ersten Telefonat im Postfach liegt.

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