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Automatisierung

An einem Nachmittag gebaut, achtzehn Monate gepflegt. Drei Fragen vor jedem Eigenbau.

KI hat das Entwickeln so billig gemacht, dass fast jeder etwas bauen kann. Wer es in achtzehn Monaten repariert, fragt im Moment der Begeisterung niemand.

Marcel Kaschner9. Oktober 20266 Min

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Herstellen ist billig geworden, das Betreiben nicht
  • Drei Warnzeichen: nur einer versteht es, Fehler fallen erst beim Kunden auf, es gibt keine Beschreibung
  • Die Frage ist nicht kaufen oder selbst entwickeln, sondern welcher Teil wohin gehört
  • Was euch von anderen unterscheidet, gehört in die eigene Hand, der Rest wird zugekauft

Es gibt eine neue Sorte von Altlast. Sie ist nicht zehn Jahre alt und in einer vergessenen Sprache geschrieben, sondern vier Monate alt, an einem Wochenende entstanden, und niemand im Haus weiss, wie sie funktioniert. Entstanden ist sie, weil Entwickeln plötzlich fast nichts mehr kostet.

Die Kosten sind nicht verschwunden, sie sind umgezogen

Was früher Wochen gedauert hat, ist heute an einem Nachmittag fertig. Das ist echt und es ist gut. Verführerisch ist der Schluss, der daraus gezogen wird: Wenn es so schnell geht, bauen wir es eben selbst. Übersehen wird dabei, dass die Herstellung noch nie der teure Teil war.

Teuer ist, was danach kommt. Eine Schnittstelle ändert sich, ein Anbieter stellt ein Modell ab, ein Feld im CRM bekommt einen neuen Namen, jemand ändert eine Vorlage. Jedes Mal muss jemand verstehen, was da läuft, und es nachziehen. Dieser Jemand war beim Bauen der begeisterte Kollege. Beim Betreiben ist es oft niemand.

Woran man es merkt, bevor es weh tut

Es gibt drei Anzeichen. Erstens kennt nur eine Person den Ablauf wirklich, und die ist zufällig gerade im Urlaub. Zweitens gibt es keine Stelle, an der sichtbar wird, dass etwas nicht gelaufen ist, man merkt es, weil sich ein Kunde meldet. Drittens existiert keine Beschreibung, die jemand anderes lesen könnte, sondern nur das Ding selbst.

Wer alle drei bejaht, hat keine Automatisierung, sondern eine Abhängigkeit von einem Menschen, die zufällig in Software gegossen ist.

Was Eigenbau trotzdem sinnvoll macht

Nicht jeder Eigenbau ist ein Fehler, und das Gegenteil ist auch keine Lösung. Alles einzukaufen führt zu einer Landschaft aus Werkzeugen, die sich gegenseitig nicht kennen, und zu monatlichen Kosten, die mit der Zahl der Vorgänge wachsen. Die Frage ist nicht kaufen oder bauen, sondern welcher Teil wohin gehört.

Eine brauchbare Faustregel: Was euren Betrieb von anderen unterscheidet, gehört in die eigene Hand. Was alle gleich machen, kauft man. Die Bewertung einer Anfrage nach euren Kriterien ist eigen. Ein Postfach, ein Kalender, eine Unterschrift sind es nicht.

Der Teil, der beim Bauen mit entstehen muss

Drei Dinge entscheiden, ob aus einem Eigenbau Betrieb wird oder eine Altlast. Es braucht eine Beschreibung im Ablauf selbst, die sagt, was er tut und was er erwartet. Es braucht eine Stelle, an der ein Fehlschlag auffällt, ohne dass ein Kunde ihn meldet. Und es braucht einen zweiten Menschen, der ihn schon einmal angefasst hat, bevor er gebraucht wird.

Diese drei Dinge kosten beim Bauen vielleicht einen zusätzlichen Tag. Sie sind der Unterschied zwischen etwas, das läuft, und etwas, das lief.

Fazit von Marcel

Marcel Kaschner, Founder und Managing Director von ZAVION

Der teuerste Satz in diesem Zusammenhang lautet: Das hat damals der Kollege gemacht. Er fällt immer dann, wenn etwas stehen geblieben ist und niemand weiss, warum. Wer beim Bauen einen Tag in Beschreibung, Überwachung und eine zweite eingearbeitete Person investiert, kauft sich den Satz aus dem Betrieb heraus.

Unterschrift Marcel Kaschner

Marcel Kaschner · Founder & Managing Director, ZAVION

Häufige Fragen

Heisst das, wir sollen nichts mehr selbst entwickeln?

Nein. Es heisst, den Betrieb mit einzuplanen, bevor entschieden wird. Ein Eigenbau, für den niemand zuständig ist, ist teurer als ein zugekauftes Werkzeug, auch wenn die Herstellung nichts gekostet hat.

Woran erkennen wir, ob ein bestehender Eigenbau tragfähig ist?

An drei Fragen: Gibt es eine Beschreibung, die jemand Fremdes lesen kann? Fällt ein Fehlschlag auf, bevor ein Kunde ihn meldet? Hat ihn schon einmal eine zweite Person angefasst? Zweimal Nein genügt für Handlungsbedarf.

Was kostet dieser Betriebsanteil ungefähr?

Als Grössenordnung rechnen wir mit einem Zusatzaufwand im niedrigen einstelligen Prozentbereich der Entwicklungszeit pro Monat, abhängig davon, wie viele fremde Systeme beteiligt sind. Je mehr Schnittstellen, desto mehr Bewegung von aussen.

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